Kunstinstallationen – Jeder gegen Jeden

Jedergegenjeden

Kunstinstallationen - Jeder gegen Jeden

Grenzen haben immer zwei Seiten: sie sind ein Ende und ein Anfang, sie schließen das Andere aus und halten das Gemeine zusammen, sie erzeugen ein Innen und Außen zugleich.

Dieser Dualität entsprechend wird das diesjährige Herbstgold-Festival von zwei Kunstinstallationen begleitet, die unterschiedliche Perspektiven visualisieren: Die Fotos der Künstlerin Andrea Diefenbach stammen aus ihrer Serie „Land ohne Eltern“ und handeln von betroffenen Menschen der europaweiten Arbeitsmigration. Die skulpturale Installation der Künstlerin Sári Ember hingegen rückt die Materialität der Grenze, ihre Flaggen und ihr „en passant“ in den Fokus.

Andrea Diefenbachs Fotos entstanden auf Reisen nach Moldawien und Italien von 2008 bis 2010. In Moldawien, einer kleinen ehemaligen Sowjetrepublik, die zwischen Rumänien und der Ukraine liegt, wächst laut UNICEF jedes dritte Kind ohne Vater oder Mutter auf. Das Mädchen auf dem Foto gegenüber, Olga, ist eines davon. Rund 40 Prozent der erwerbstätigen Eltern leben im Ausland. Mütter oder Väter, oft auch beide Elternteile, die als Erntehelfer oder in der Altenpflege arbeiten, zumeist in Norditalien. In Moldawien lösen sich durch die Arbeitsmigration familiäre Strukturen auf, Kinder werden meist von Verwandten oder Nachbarn aufgezogen. Viele Kinder sehen ihre Eltern monate-, manchmal jahrelang nicht. Die Zeiträume elterlicher Abwesenheit werden mit Skype oder Telefongesprächen überbrückt. Andrea Diefenbach hat diese von Ernst und Einsamkeit geprägten Parallelwelten eindringlich stillgestellt dokumentiert. Gezeigt wird ihre Reportage in einer eigens errichteten „Nebenpassage“ im Schlosseingang.

Die Installation von Sári Ember wiederum dominieren Flaggen. Es sind jedoch keine der üblichen Streifen-Fahnen, die alle ihren Ursprung in den Farben militärischer Uniformen haben, sondern jeweils abstrahierte Gesichter, Individuen und Masken zugleich, archaische Einzelne. Unter ihnen hindurch betritt man den Innenhof, die Feststiege und die Haydn-Ausstellung – gleichsam jeder gegen jeden.

Ausstellungsdauer: 11. September – 5. Oktober 2019

Andrea Diefenbach (*1974 in Wiesbaden)

Sári Ember (*1985 in São Paulo, lebt in Budapest)

Parallel zu den Kunstinstallationen in Schloss Esterhazy zeigt der Kunstverein Eisenstadt in der Joseph Haydn-Gasse 1 eine „Komplizen-Ausstellung“ von Sári Ember gemeinsam mit Ralo Mayer (*1976 in Eisenstadt),

Eröffnung: 13. September, ab 17:30 Uhr.

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