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Begleiter des Übergangs
Zu den Herbstgold-Kunstprojekten 2026 von Hugo Canoilas und Hannah Neckel
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Performance: je nach Wind und Strömung
Kurator: Vitus Weh
Unsere Zeit ist ökologisch und gesellschaftlich im Fluss, und in diesem Fluxus ändern sich auch die Zeichen, die uns als Orientierung dienen. Da im Feld der Zeichen und Bilder wiederum die zeitgenössische Kunst einiges anbieten kann, hat es sich zur schönen Tradition entwickelt, für das Herbstgold-Festival jeweils auch bildende Künstler und Künstlerinnen einzuladen
Einweihung der Kunstwerke:
Als Auftakt zum Herbstgold-Festival führt ein musikalisch begleiteter Spaziergang die Besucher und Besucherinnen zu beiden Kunstwerken. Es ist eine seltene Gelegenheit die historische Schloss-Passage durch die einst offene Sala Terrena nachzuvollziehen.
Der Spaziergang beginnt am Vorplatz von Schloss Esterházy: 16. September, 17:30 Uhr
Musikalische Begleiter: Basbaritenori
Heuer, da das Festival unter dem Motto „Musik – Pulsschlag der Zeit“ steht, wird es entsprechend von zwei Kunstwerken flankiert, die hoffentlich hilfreiche Bilder für den beständigen Wandels präsentieren. Sie übersetzen den Pulsschlag der Takte, Nachrichten und Lebensläufe gleichsam in spirituelle Begleiter. Örtlich greifen beide künstlerische Positionen den historischen Wasserkreislauf im Schlosspark auf, der die nötige Orientierung an der Kreislaufwirtschaft schon früh wunderbar umgesetzt hat.
Die eine Skulptur besteht aus elf Fahnen, die zusammengefügt einen blau-mäandernden Flusslauf zeigen, der von geisterhaften Wesen bevölkert ist. Das andere Kunstwerk ist eine Skulpturengruppe, bestehend aus vier kleinen Keramik-Hunden, die auf alten Sandsteinsockeln eine neue Brücke im Schlosspark flankieren. Eröffnet werden beide Herbstgold-Kunstwerke am 16. September 2026 ab 17:30 Uhr mit einem musikalischen Festzug in den Garten.
„Grüne Hunde / Green Dogs"
Die Skulpturengruppe der vier Keramik-Hunden stammt vom portugiesischen Künstler Hugo Canoilas. Gefertigt sind sie in der „teste composte“-Manier von Giuseppe Arcimboldo (1526-1593), also zusammengesetzt aus Stückwerk, das auch einzeln erkannt werden kann. Das konkrete Baumaterial der vier Keramik-Hunde stammt aus dem Obst- und Gemüsegarten und reicht von Karfiol und Weißkohl bis Gurke und Brokkoli, daher der Werktitel: „Grüne Hunde“.
Gefertigt sind sie in der „teste composte“-Manier von Giuseppe Arcimboldo (1526-1593), also zusammengesetzt aus Stückwerk, das auch einzeln erkannt werden kann. Das konkrete Baumaterial der vier Keramik-Hunde stammt aus dem Obst- und Gemüsegarten und reicht von Karfiol und Weißkohl bis Gurke und Brokkoli, daher der Werktitel: „Grüne Hunde“. Positioniert sind diese kuriosen Steingut-Keramiken auf den vier historischen Steinsockeln der gewölbten Holzbrücke, die auf Höhe des zentralen Orangerie-Pavillons als Schnittstelle verschiedener Wege über den Bachlauf führt. Die Wiedererrichtung der Brücke erfolgte 2025, in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt, nach alter Handwerkskunst nur mit Holzverbindungen. Historisch war sie die einzige Brücke im Park, die auch mit Kutschen befahrbar war. Gelegen ist die Brücke im hinteren Privatteil des Parks. Von den öffentlichen Wegen ist sie aber gut zu sehen. Begangen werden kann sie im Zuge von Führungen und Veranstaltungen.

In ihrer enigmatischen Art sind die Hunde sowohl Schutzgeister dieser Brücke als auch Allegorien des Übergangs allgemein. Zugleich verweisen sie auf die einstige Nahrungsmittelproduktion in der nahegelegenen Orangerie. Der Künstler selbst beschreibt sein Interesse wie folgt: „Hunde tauchen auch in meinen Gemälden häufig auf. Das hängt mit der Vorstellung zusammen, dass Hunde als Begleiter des Menschen Vermittler zwischen unserer Welt und anderen Dimensionen sind, seien es nun die Natur oder spirituelle Ebenen. Als ich kürzlich das New Yorker Museum „The Cloisters“ besuchte, war ich wieder erstaunt über die vielen Grabmäler mit Rittern und Priestern, an deren Füßen Hunde in Stein gemeißelt waren. Das hat seine Wurzeln in ägyptischen Glaubensvorstellungen und verbindet sich heute mit Ansätzen ökologischer Denker wie dem Philosophen Mark Alizart. In seinem Buch „Dogs: A Philosophical Guide to Our Best Friends“ (2019) stellt Alizart die Figur des Hundes als Denker dar – als einen, der fähig ist, das wahre Geheimnis der Menschheit zu erkennen. In seinem Essay wandelt der Autor die gängige Sichtweise auf den Hund als unterwürfiges Wesen in eine Ebene spiritueller Überlegenheit um, fähig, seine sanfte Kraft zu nutzen, um eine dominierende Rolle einzunehmen. Die Brücke ist für mich ein konkreter Durchgang, der symbolisch auch für andere Arten der Veränderung steht. Die vier Hundeskulpturen kennzeichnen diese Passage mit einer Vielzahl von Möglichkeiten, abhängig von ihren Nutzern. Die Skulpturen bestehen aus Obst und Gemüse, um ihnen Leichtigkeit zu verleihen und eine spielerische Beziehung zu den Passanten herzustellen, die ihre eigenen Vorstellungen in sie hineinprojizieren.“
„Strömen in die Zukunft / streaming into the future“
Mit der Gestaltung der elf Fahnen auf dem Vorplatz von Schloss Esterházy wurde heuer die in Eisenstadt geborene Künstlerin Hannah Neckel betraut. Zusammen mit ihrer Schwester Lea Neckel zeigte sie 2024 in der burgenländischen Landesgalerie eine Schau, die das Denken der jungen Generation sehr bunt und emotional widerspiegelte.

Heuer, im Einklang mit dem Festivalmotto „Musik – Pulsschlag der Zeit“ entfaltet ihr Großbild der elf Fahnen das Panorama eines pulsierenden Wasserlaufs. Darin treiben weibliche Avatare, sowie zwischen Muschel und Qualle changierende Wesen durch einen Raum, der von einem blau-grünen Netzwerk umgeben ist, das zugleich an die fließenden Bewegungen der Nordlichter und an die unsichtbaren Strukturen einer digitalen Datenlandschaft erinnert. Das Werk visualisiert damit gleichsam ein kollektives Feld des Wandels, der Erinnerung und der Zukunftsentwürfe.
Die Künstlerin selbst beschreibt ihr poetisches Bild auch als ein musikalisches: „Das Werk „Strömen in die Zukunft / streaming into the future“ sehe ich als eine Metapher für Gemeinschaft sowie die Verbindung von Natur und Technologie, Vergangenheit und Zukunft in einem einzigen strömenden Feld. In der Musik können wir diesen kollektiven Fluss immer schon spüren, als ein gemeinsamer Rhythmus, der Menschen über Zeit und Raum hinweg miteinander in Verbindung setzt.“
Hugo Canoilas (* 1977 in Lissabon) ist als bildender Künstler tätig. In seinem Werk begreift er die Wirkmacht der Natur als potenziellen narrativen Wandel und als eine Form der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Wissenssystemen, wobei er die Fähigkeit der Kunst bekräftigt, neue Beziehungsformen zu schaffen.
Hugo Canoilas wurde 2020 vom Wiener mumok mit dem Kapsch-Preis ausgezeichnet und war mit Éna Brennan und David Pountney Co-Autor der Oper „Hold Your Breath“, die vom Kunsthaus Bregenz und den Bregenzer Festspielen im August 2024 uraufgeführt wurde. Seine Arbeiten wurden in internationalen Institutionen wie der Manifesta in Barcelona, der 30. São Paulo Biennale, der Vienna Biennale for Change im MAK, dem Salzburger Kunstverein, dem Museu Calouste Gulbenkian, dem Serralves Museum, dem Kunstverein in Hamburg, De Appel in Amsterdam und dem Frankfurter Kunstverein gezeigt.


Hannah Neckel (* 1995 in Eisenstadt) ist eine transmediale Künstlerin und Worldbuilderin, die an der Schnittstelle zwischen Online- und Offline-Welten arbeitet, online als @cybervoid69, und emotional mitreißende Erlebnisse schafft. Diese fließen aus dem Internet durch den Bildschirm in die physische Welt, von mir zu dir. In ihrer Arbeit erforscht sie das Begehren als Werkzeug für eine queere Zukunft ~ sie lässt das utopische Versprechen des Internets in materielle Form übergehen und spekulative Sehnsüchte zirkulieren, bis sie sich als Realität manifestieren. Wasser, Fließen und Softness als Material und Empfindung gestalten eine Umgebung, in der Grenzen sich auflösen und eine queere Zukunft räumlich erfahrbar wird. Anstatt auf eine ferne Zukunft hinzuweisen, betont das Werk die Gegenwart als Ort der Transformation. Utopie wird nicht als aufgeschobene Fantasie verstanden, sondern als spekulative Gegenwart, die kontinuierlich ins Leben gerufen wird.